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Achim Angepasst – Teil 1

Achim gehört zur Was-ich-nicht-weiß-macht-mich-nicht-heiß-Fraktion.

Weil er die einschlägigen Zeitungsmeldungen nicht ernst nimmt, sich für Details nicht interessiert und Datenschützer für paranoide Wichtigtuer hält, weiß er nichts von den Veränderungen  in unserer Gesellschaft. Selbst das Abhören seiner privaten Telefonate würde Achim nicht stören, solange er nichts davon merkt. 

Achim ist naiv. Außerdem ist er ein geübter Selbstbetrüger, dem es ausschließlich um ein bequemes Leben und den persönlichen Vorteil geht. An jeder Supermarktkasse hinterlässt er seinen kompletten Datensatz, wenn man ihm dafür ein paar läppische Rabattpunkte anbietet, die er bei Gelegenheit gegen einen Satz Frotteehandtücher oder eine Salatschüssel eintauschen kann. 

Achims Portemonnaie wölbt sich vor lauter Plastik: Payback- und Kundenkarten von Drogerien, Tankstellen und seinem Friseur. Achim kommt sich schlau vor, er will von den vielen Angeboten profitieren. (…)

Das Wirtschaftssystem hat ihn zu einem gehorsamen Kunden erzogen, der auf Anfrage sofort jede beliebige Auskunft über sich erteilt. 

Wann wird Achim ein Licht aufgehen? 

Wenn er bei seiner Bank keinen Kleinkredit mehr erhält, weil er im falschen Stadtteil wohnt und in den falschen Läden einkauft?

Wird er dann auf einmal die Wirtschaft, die Politik, das Universum anklagen, weil sie alle nichts Besseres zu tun haben, als „den kleinen Mann von der Straße“ auszubeuten? Oder wird er auch dann missmutig schweigen und alles hinnehmen?

I. Trojanow, J. Zeh (2010). Angriff auf die Freiheit, S.75ff.

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